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Immer eine Reise wert: Schiffwracks im Watt

Von Jana Esther Fries


Manchen mag es überraschen: Auch im Wattenmeer sind gelegentlich Bodendenkmale zu finden. Das gilt zum einen für die Reste überfluteter Siedlungen, zum andern für gestrandete Schiffe. Beide Arten von Fundstellen wurden in der Regel zunächst von Sand und Schlick bedeckt und so eine Zeit lang konserviert. Durch Veränderungen von Strömungen können sie später wieder freigespült werden. Besonders die Schiffe sind dann allerdings stark der Zerstörung durch Wellengang ausgesetzt und meist nur eine begrenzte Zeit lang noch aufzufinden.

In den vergangenen 15 Jahren hat der Stützpunkt Oldenburg des NLD sechs Mal Schiffswracks dokumentiert. Dafür steht naturgemäß immer nur das Niedrigwasser, also ein Zeitraum von 2-3 Stunden, zur Verfügung. Es muss also außerordentlich schnell gehen und alle technischen Mittel, die die Arbeit beschleunigen und viel Personal eingesetzt werden. Zudem wird fast immer ein Boot benötigt, um die Fundstelle zum richtigen Zeitpunkt zu erreichen.

Die jüngste Wrackdokumentation erfolgte am 12. Juni mit Unterstützung des Wasser- und Schifffahrtamtes Bremerhaven (WSA). Dessen Arbeitsschiff „Franziusplate“ brachte acht archäologische Mitstreiter/innen, darunter einen Schiffsexperten von der Universität Kopenhagen und einen ehrenamtlichen Beauftragten, an den Fundort. Das Wrack war im April am Rand der Kaiserbalje, eines großen Priels im Hohe-Weg-Watt vor der Wesermündung entdeckt worden. Da der Priel sich zurzeit verlagert, würde das Wrack schon bald ein Hindernis für Segelboote werden und muss sehr bald beseitigt werden.

Die Franziusplate ließ sich am Fundort trockenfallen und innerhalb von drei Stunden wurde das Wrack gesäubert, beschrieben, fotografiert und mittels Fotogrammmetrie aufgenommen. Es handelt sich um ein rund 16 m langes, schmales Plattbodenschiff vermutlich des 19. Jahrhunderts, das die Kanäle, Flüsse und Küstengebiete von Ostfriesland bis Hamburg befahren haben dürfte. Eine genaue Ansprache des Schifftyps und der Bauweise soll nach Auswertung der Fotogrammmetriedaten erfolgen. Von der Ladung waren noch einige Backsteine an Bord; außerdem wurden Porzellan- und Steinzeugscherben sowie Teile der Ankerkette entdeckt.

Nach der Beseitigung des Schiffes wird das NLD noch Gelegenheit haben, Holzproben für dendrochronologische Untersuchungen zu nehmen, um das genaue Alter festzustellen. Bei einem jungen Alter dürfte es möglich sein, über Zeitungsmeldungen oder Versicherungsverzeichnisse festzustellen, um welches Schiff es sich handelt. Bis dahin heißt das Schiff nach dem Finder vom WSA „Arne“.

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