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Ein rätselhaftes Massengrab in Braunschweig

Von Michael Geschwinde

Bei baubegleitenden Untersuchungen des Erweiterungsbaus des renommierten Georg-Eckert-Instituts für Schulbuchforschung in Braunschweig wurde auf dem ehemaligen Friedhof des im 2. Weltkrieg zerstörten Hl. Kreuzkloster neben zahlreichen spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gräbern Anfang März 2019 ein ungewöhnliches Grab mit acht Bestattungen freigelegt. Die laufenden Untersuchungen, die von der Fa. Arcontor unter Leitung des Archäologen Robert Brosch und des Anthropologen Oliver Beykirch durchgeführt werden, zeigen, dass es sich um acht Männer zwischen 17 und 40 Jahren handelt, die gleichzeitig gestorben und bestattet wurden und sich durch einen sportlich-trainierten Körperbau auszeichnen. Vieles spricht dafür, dass es sich um Soldaten handelt, die bei einer militärischen Auseinandersetzung umgekommen sind. Da die archäologische Indizien zeigen, dass das Grab zwischen 1780 und 1824 angelegt worden sein muss, ist ein Zusammenhang mit dem Gefecht bei Oelper am 1. August 1809 naheliegend, bei dem es dem später bei Waterloo gefallenen Braunschweiger Herzog Friedrich Wilhelm mit seiner „Schwarzen Schaar“ gelungen war, einer mehrfach überlegenen französisch-westfälischen Armee standzuhalten und schließlich sogar nach Norden durchzubrechen, um sich auf in der Wesermündung wartenden englischen Schiffen in Sicherheit zu bringen. Viele Zeitgenossen empfanden das Gefecht bei Oelper als einen Auftakt des militärischen Widerstandes gegen das napoleonische Frankreich und den Beginn der Freiheitskriege.

Freilegungsarbeiten an dem Massengrab  
Freilegungsarbeiten an dem Massengrab (Foto: M. Geschwinde, NLD)
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