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Goslar: Vom Historismus des 19. Jahrhunderts zur Reformarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts

Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgebliebene Stadt Goslar nahm in der zweiten Hälfte einen wirtschaftlichen Aufschwung. 1859 wurde das »Neue Lager« im Rammelsberg entdeckt. Goslar profitierte 1866 von der Annektion des Königreiches Hannover durch Preußen und dem damit einhergehenden Wegfall wirtschaftlicher Hemmnisse. Die Industrialisierung setzte ein. 1866 wurde die Bahnstrecke über Oker an das braunschweigische Bahnnetz eröffnet, 1875 über Hildesheim nach Hannover und 1883 nach Kreiensen fertiggestellt und der 1866 errichtete Bahnhof 1902 den gewachsenen Ansprüchen durch Umbau und Erweiterung angepasst. Der gegen Frankreich gewonnene Krieg von 1870/1871 brachte Reparationsleistungen, die in Bauten und Firmengründungen investiert wurden. Die Garnisonsstadt Goslar mit ihrer Kaserne am Domplatz von 1832 wurde im Zuge der gesellschaftlich begrüßten Militarisierung durch weitere Kasernen ergänzt, u. a. die Kaiserbleekkaserne 1889 und die Thomaswallkaserne 1902. Schulen wurden errichtet, so ab 1886 das Ratsgymnasium. 1885 wurde der preußische Landkreis Goslar gebildet, was den Bau des Landratsamtes an der Klubgartenstraße 1886 mit sich brachte. Das Postwesen entwickelte sich und führte zum Bau der Niederlassung an der Rosentorstraße 1888. Vermögende Bauherren errichteten Villen vor den Stadtmauern, wie der Holzstofffabrikant Heubel 1884 vor dem Vititor oder der Großindustrielle Dr. Rudolf Alberti auf dem Georgenberg.

Die dabei entstandene Architektur greift im 19. Jahrhundert in der Gestaltung Strömungen der Zeit – vom Klassizismus zum Historismus – auf und reagiert in der Raumorganisation auf sich wandelnde funktionelle Bedürfnisse und Ansprüche. Anfang des 20. Jahrhunderts wandte sich die Baukunst vom Historismus zur Reformarchitektur, die traditionelle Baumaterialien, Bauweisen und teilweise auch Stilelemente wiederentdeckte. Der Teil der Reformarchitektur, der auf regionale Bautraditionen zurückgriff, wird auch als Heimatschutzarchitektur bezeichnet. Andere Bauten zeigen Einflüsse des Jugendstils. Nach dem Ersten Weltkrieg bildete sich, auf Basis der Reformarchitektur und propagiert vom 1907 gegründeten Deutschen Werkbund, das Neue Bauen aus, das sachliche und schlichte Formen bevorzugte und neue Bauweisen entwickelte. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schlugen sich diese Entwicklungen auch in Goslar deutlich in der Baugestaltung nieder.

Der Montagsvortrag von Jan Lubitz, NLD, und Günter Piegsa, Geschichtsverein Goslar e. V., behandelt Beispiele des Historismus und der Reformarchitektur in Goslar und bettet sie in die Architekturströmungen der Zeit ein.

3. Juni 2024, 18.30 Uhr, Vortragssaal des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege

Wir bitten um Anmeldung bis zum 31. Mai unter nld-veranstaltungen@nld.niedersachsen.de.

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