Die Bauernhochschule Goslar im Kontext
Neue Forschungen zu einem Täterort in der ehemaligen Reichsbauernstadt Goslar (Spuren Harzer Zeitgeschichte, Sonderbd. 3), Clausthal-Zellerfeld (Papierflieger Verlag GmbH) 2024, ISBN: 978-3-98870-004-9.
Die nationalsozialistische Diktatur gründete sich auf Gewalt und Terror - nach innen und nach außen. Die Herstellung einer NS-Volksgemeinschaft verlangte darüber hinaus die "Formung" eines neuen Menschen, des herrschendenden arischen Helden. Propaganda und ideologisches Trommelfeuer gepaart mit der Verfolgung von Widerworten dienten der Schaffung folgsamer, von sich und der eigenen Sendung überzeugter Untertanen. Perspektivisch sollte die Erziehung, besser die Herrichtung junger Menschen dem totalitären Staat jene Gefolgsmenschen bescheren, die das "tausendjährige Reich" ausdehnen und sichern könnten. Vom Pimpf-Alter an wurden Jungen und Mädchen an das System der NSDAP-Herrschaft gebunden. Schulische Bildung, Lehre und Studium sollten die Menschen im Geist der rassischen Überlegenheit und des heroischen Ariertums formen.
Die Bauernhochschule, die Carsten Grabenhorst in diesem Band der Spuren Harzer Zeitgeschichte vorstellt und gutachterlich historisch analysiert, hatte für die Elite der Landbevölkerung gerade diesen Zweck zu erfüllen. Sie sollte in Goslar, der Reichsbauernstadt des Nationalsozialismus, junge Menschen aus der Landwirtschaft zur geistigen und administrativen Elite heranführen, ihnen das Credo von der "Rasse als Lebensgesetz" nahebringen. In akribischer Detailarbeit zeigt der Autor dies an Lehr- und Organisationsplänen der Einrichtung auf. Er befasst sich meinungsstark mit den dahinterstehenden Ideologieansätzen der Nationalsozialisten und geht dabei von einer Beschreibung der Erziehungsinstitution in die notwendige Analyse zentraler Merkmale von NS-Ideologiebildung über.
Welche tatsächliche Bedeutung die Bauernhochschule als Täterort im Koordinatensystem des Reichsnährstands hatte oder welche Ausstrahlung sie in Goslar selbst ausübte, darüber mag unterschiedlich geurteilt werden. Auf alle Fälle ist die bauliche Fortexistenz des Gebäudes in der Klubgartenstraße 9A ein gewichtiger Grund, das Wesen dieser Einrichtung einer interessierten Leserschaft auszubreiten. Das ist dem Autor mit seiner Arbeit gelungen.
Ergänzende Beiträge zum Thema liefern Meike Buck zum Bückeberg, wo sie auf die hervorragend recherchierten Grundlagen von Bernhard Gelderblom zurückgreifen konnte, sowie Cordula Reulecke und Stefan Winghart zur denkmalpflegerischen Einordnung. Das Nachwort hat Jens Binner verfasst.
Mit vorliegender Arbeit liegt der Abschlussbericht des Forschungsprojekts "Die Bauernhochschule Goslar im Kontext" des Vereins Spurensuche Harzregion e.V. vor, das von 2020 - 2022 lief und durch Forschungsmittel des Landes Niedersachsen über das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege gefördert wurde. Wir bedanken uns ganz herzlich für diese Förderung.
Mit diesem Heft können wir die vom Publikum gut angenommene Reihe von wissenschaftlichen Beiträgen zur Harzer Zeitgeschichte fortsetzen. Es wird gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege herausgegeben und beschreibt die Geschichte einer Liegenschaft, die heute nicht nur als Gruppe baulicher Anlagen gemäß § 3 Abs. 3 S. 1 NDSchG unter Denkmalschutz steht, sondern sich mit seinem begleitenden Baumbestand auch in einem Landschaftsschutzgebiet und darüber hinaus in der Pufferzone der Welterbestadt Goslar befindet. Dies ist für alle Besitzer und Verantwortlichen eine besondere Verpflichtung für die Zukunft.
Wir werden unsere Reihe "Spuren Harzer Zeitgeschichte" fortsetzen, denn die engere und weitere Harzregion weist noch zahlreiche unbearbeitete Themen und auch Täterorte auf.
In diesem Zusammenhang ist es beispielsweise außerordentlich bedauerlich, dass es nicht mit vereinten Kräften gelang, das ehemalige Offizierscasino auf dem Fliegerhorst Goslar zu bewahren. Es weist alle für die Erhaltung relevanten Kriterien auf, die Stefan Winghart ✝ in seinem engagierten Plädoyer zum Schutz unbequemer Denkmale in diesem Band aufführt.
Vor diesem Hintergrund war das vorliegende Projekt zum Erhalt der Bauernhochschule Goslar erfolgreicher, zumal es rechtzeitig und gemeinsam eingeleitet werden konnte. Das mag ein Modell für künftige Vorgehensweisen sein.
Die Bauernhochschule, die Carsten Grabenhorst in diesem Band der Spuren Harzer Zeitgeschichte vorstellt und gutachterlich historisch analysiert, hatte für die Elite der Landbevölkerung gerade diesen Zweck zu erfüllen. Sie sollte in Goslar, der Reichsbauernstadt des Nationalsozialismus, junge Menschen aus der Landwirtschaft zur geistigen und administrativen Elite heranführen, ihnen das Credo von der "Rasse als Lebensgesetz" nahebringen. In akribischer Detailarbeit zeigt der Autor dies an Lehr- und Organisationsplänen der Einrichtung auf. Er befasst sich meinungsstark mit den dahinterstehenden Ideologieansätzen der Nationalsozialisten und geht dabei von einer Beschreibung der Erziehungsinstitution in die notwendige Analyse zentraler Merkmale von NS-Ideologiebildung über.
Welche tatsächliche Bedeutung die Bauernhochschule als Täterort im Koordinatensystem des Reichsnährstands hatte oder welche Ausstrahlung sie in Goslar selbst ausübte, darüber mag unterschiedlich geurteilt werden. Auf alle Fälle ist die bauliche Fortexistenz des Gebäudes in der Klubgartenstraße 9A ein gewichtiger Grund, das Wesen dieser Einrichtung einer interessierten Leserschaft auszubreiten. Das ist dem Autor mit seiner Arbeit gelungen.
Ergänzende Beiträge zum Thema liefern Meike Buck zum Bückeberg, wo sie auf die hervorragend recherchierten Grundlagen von Bernhard Gelderblom zurückgreifen konnte, sowie Cordula Reulecke und Stefan Winghart zur denkmalpflegerischen Einordnung. Das Nachwort hat Jens Binner verfasst.
Mit vorliegender Arbeit liegt der Abschlussbericht des Forschungsprojekts "Die Bauernhochschule Goslar im Kontext" des Vereins Spurensuche Harzregion e.V. vor, das von 2020 - 2022 lief und durch Forschungsmittel des Landes Niedersachsen über das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege gefördert wurde. Wir bedanken uns ganz herzlich für diese Förderung.
Mit diesem Heft können wir die vom Publikum gut angenommene Reihe von wissenschaftlichen Beiträgen zur Harzer Zeitgeschichte fortsetzen. Es wird gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege herausgegeben und beschreibt die Geschichte einer Liegenschaft, die heute nicht nur als Gruppe baulicher Anlagen gemäß § 3 Abs. 3 S. 1 NDSchG unter Denkmalschutz steht, sondern sich mit seinem begleitenden Baumbestand auch in einem Landschaftsschutzgebiet und darüber hinaus in der Pufferzone der Welterbestadt Goslar befindet. Dies ist für alle Besitzer und Verantwortlichen eine besondere Verpflichtung für die Zukunft.
Wir werden unsere Reihe "Spuren Harzer Zeitgeschichte" fortsetzen, denn die engere und weitere Harzregion weist noch zahlreiche unbearbeitete Themen und auch Täterorte auf.
In diesem Zusammenhang ist es beispielsweise außerordentlich bedauerlich, dass es nicht mit vereinten Kräften gelang, das ehemalige Offizierscasino auf dem Fliegerhorst Goslar zu bewahren. Es weist alle für die Erhaltung relevanten Kriterien auf, die Stefan Winghart ✝ in seinem engagierten Plädoyer zum Schutz unbequemer Denkmale in diesem Band aufführt.
Vor diesem Hintergrund war das vorliegende Projekt zum Erhalt der Bauernhochschule Goslar erfolgreicher, zumal es rechtzeitig und gemeinsam eingeleitet werden konnte. Das mag ein Modell für künftige Vorgehensweisen sein.
Sakrale Architektur in Niedersachsen nach 1945
Von Christina Krafczyk und Markus Jager
ISBN: 978-3731914976
Preis 45,00 Euro

