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Mittelalterliche Welterbe-Bilderdecke auf dem Prüfstand

Die berühmten Holzmalereien der St. Michaeliskirche in Hildesheim werden am Mittwoch, 11. Februar 2026, restauratorisch begutachtet.

Die Bilderdecke der Hildesheimer St. Michaeliskirche gehört mit ihren ca. 1.300 bemalten Eichenholzbohlen neben den Holzdecken von Zillis (Schweiz) und Dädesjö (Schweden) zu den wenigen monumentalen Tafelgemälden des Hochmittelalters, die bis heute erhalten sind. Die Bilderdecke misst 27,6×8,7 Meter und befindet sich im Mittelschiff des Langhauses. Ihre Entstehungsgeschichte geht wohl auf den bekannten Hildesheimer Bischof Konrad II. von Riesenberg zurück und wird in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert. Thema der Malerei ist die sogenannte Wurzel Jesse, also eine malerische Umsetzung des Stammbaumes Jesu, die in acht Hauptfelder aufgeteilt ist. Des Weiteren befinden sich an der Decke 42 Medaillons mit Darstellungen der Vorfahren Christi, beginnend mit Stammvater Abraham. Die weltweite Bedeutung der Bilderdecke fand 1985 Anerkennung durch den Zuspruch des UNESCO Welterbtitels, welcher der St. Michaeliskirche zusammen mit dem Mariendom zu Hildesheim verliehen wurde.

Site Manager Jens Kotlenga betont: »Die Bilderdecke erfreut und fasziniert nun schon viele, viele Generationen, und die Anerkennung durch die UNESCO drückt die besondere Wertschätzung seitens der Weltgemeinschaft aus«.

Seit 1998 werden mehrere Referenzflächen der Bilderdecke in regelmäßigen Abständen auf Malschichtschäden und Risse untersucht. Anfänglich sind dafür komplexe, computergestützte Verfahren wie Multispektralaufnahmen und Differenzbilderzeugung getestet und genutzt worden. Diese wurden zusammen mit dem Deutschen Bergbaumuseum Bochum entwickelt. Mittlerweile hat sich jedoch ein Abgleich hochauflösender, digitaler Fotografien bei identischen Beleuchtungs- und Aufstellungsvorgaben bewährt.

Das Monitoring findet in den Nachmittags- und Abendstunden am 11. Februar 2026 unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Zudem wird die Straßenbeleuchtung in der Umgebung der St. Michaeliskirche ausgeschaltet. Die Dunkelstunden in ruhiger Atmosphäre ermöglichenden den effektiven Einsatz von Streiflicht, was etwaige Schäden durch Licht- und Schatteneffekte deutlich hervortreten lässt. Durchgeführt wird das Monitoring von einem erfahrenen Architektur- und Dokumentationsfotografen sowie der Abteilung Restaurierung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, welche die Aufnahmen aus-werten. Die Untersuchungen werden durch das Amt für Bau und Kunstpflege der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover sowie dem Welterbe Site Manager der Kirchengemeinde St. Michaelis in Hildesheim begleitet.

Maja Ossig, Abteilungsleiterin Restaurierung im NLD, sagt: »Die Ergebnisse aus dem Jahr 2017 zeigen uns, dass keine schwerwiegenden Beschädigungen aufgetreten sind, sodass wir auch in diesem Jahr optimistisch an die Aufgabe herangehen«.
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