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Eine neuzeitliche Pfeifenkapsel aus dem Kloster Loccum

Früher Brandschutz für Pfeifenraucher


Von Friedhelm Wulf

Zwischen Steinhuder Meer und Weser liegt im Südzipfel des Ldkr. Nienburg eines der bekanntesten niedersächsischen Klöster, die ehemalige Zisterzienser-Abtei St. Maria und Georg in Loccum. Sie geht auf eine Stiftung des Grafen Wilbrand v. Hallermund und seiner Frau Beatrix v. Lucca aus dem Jahr 1163 zurück. Nach der Blütezeit im 13. Jh. erfolgte in der frühen Neuzeit um etwa 1600 die Überführung in eine evangelische Ordensgemeinschaft. Kloster Loccum gehört heute der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, die hier seit 1891 ein Predigerseminar unterhält.

Im Vorfeld eines geplanten Bibliotheksanbaus werden im Südostbereich der Klausur seit 2014 bauvorbereitende archäologische Untersuchungen durch das NLD durchgeführt, da der Neubau auf den Fundamenten des aus dem 13. Jh. stammenden und 1815 abgebrochenen Annexbaus (ehem. Auditorium) errichtet werden soll. Die in enger Abstimmung mit der Landeskirche und dem Abt des Klosters Loccum stattfindenden Untersuchungen haben das Ziel, neben der Klärung der verschiedenen Bauphasen und des komplizierten Systems historischer Abwasserkanäle Grundlagen für die statische Gründung des Neubaus unter größtmöglicher Sicherung der erhaltenen historischen Bausubstanz zu ermitteln (Abb. 1).

Hierbei kamen nicht nur die erwarteten Fundamente von der ältesten hochmittelalterlichen Bauphase bis zum Abbruch im frühen 19. Jh. zutage, sondern u. a. auch ein aus Bruchstein mit einfachem Tonnengewölbe gemauerter Kanal, der vom sog. Brauteich im Westen des Klosters unter dem ehemaligen Auditorium hindurch zur Fulde führte. Aus dem ca. 0,8 m mächtigen Bodensediment dieses heute noch in Funktion befindlichen Kanals konnten unter einem als Abort identifizierten Gebäuderest zahlreiche Metall-, Keramik- und Glasfunde geborgen werden, darunter über 150 kupferne und silberne Kleinmünzen, Buchbeschläge, Schnallen und Applikationen. Interessant ist eine filigrane Kette von etwa 10 cm Länge mit einem kleinen glockenförmigen Anhänger, die aus einem hochwertigen Messingdraht „gehäkelt“ sind (Abb. 2). Er diente als Schutzdeckel für eine der vom 17.–19. Jh. gebräuchlichen weißen Tonpfeifen und sollte verhindern, dass glühender Tabak herausfiel und so vielleicht einen Brand verursachte (Abb. 3).

Weitere Einzelheiten über das Denkmal können Sie der beigefügten PDF-Anlage entnehmen.


Literatur

Dehio, Georg: Loccum. Ehem. Zisterzienserkloster St. Maria und Georg. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Bremen, Niedersachsen. Bearb. von Gerd Weiß unter Mitarbeit von Karl Eichwälder et. al. Neubearbeitete, stark erweiterte Auflage 1992, 856–861.

Articus, Rüdiger: “Wie dem unvorsichtigen Toback-Rauchen gewehret werden mögte”. In: Knasterkopf 7, 1995, 38–44.

Wulf, Friedrich-Wilhelm: Das Zisterzienserkloster Loccum: Vom Hohen Mittelalter bis zur Neuzeit. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen Bd. 36, 2016, H. 1, 38f.

Kloster Loccum. Blick auf das Kloster und die Grabungsfläche für die neue Bibliothek (am unteren Bildrand).  

Kloster Loccum. Blick auf das Kloster und die Grabungsfläche für die neue Bibliothek (am unteren Bildrand).

Kloster Loccum. Kette mit glockenförmigem Schutzdeckel. Links: unrestaurierter Fundzustand, rechts: nach der Restaurierung.  

Kloster Loccum. Kette mit glockenförmigem Schutzdeckel. Links: unrestaurierter Fundzustand, rechts: nach der Restaurierung.

Friedhelm Wulf, Richard Landwehr: Das Zisterzienserkloster Loccum: Vom Hohen Mittelalter bis zur Neuzeit

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